Auf dieser Seite finden Sie Grundlegendes zur Rebsorte. Was kennzeichnet die Zinfandel? Woher stammt sie? Wo findet man sie? Welche Weine werden aus ihr gekeltert?

Diese und weitere Fragen werden hier geklärt. Wenn Sie darüber hinaus Fragen haben, werde ich mich gerne bemühen, diese zu beantworten. Senden Sie mir einfach eine Mail.

Wie wird Zinfandel eigentlich ausgesprochen?

Kaum jemand weiß, wie das Wort Zinfandel eigentlich korrekt ausgesprochen wird. Hier nun eine WAV-Datei mit der korrekten Aussprache. Der Sprecher ist Joel Peterson von Ravenswood.

Joel Peterson

Was ist Zinfandel ?

Die Rebsorte Zinfandel gehört zur Gattung der Vitis vinifera. Sie wird hauptsächlich in Kalifornien, daneben in geringer Menge in Arizona, Texas, New Mexico und Oregon angebaut. Außerhalb der USA findet man sie in Australien und Südafrika, aber auch hier nur in geringer Menge. Ausserdem sollen in jüngster Zeit auch alte Rebstöcke in Deutschland, in der Nähe von Heidelberg, gefunden worden sein.

Ca. 11% aller in Kalifornien angebauten Weintrauben sind Zinfandel. Sie entwickelt ungleich große und damit auch ungleich reifende Beeren mit hohem Zuckergehalt im vollreifen Zustand. Daraus ergeben sich sehr volle, alkoholstarke und dunkelfarbene Weine. Insbesondere im (sehr heißen) San Joaquin Valley werden die Trauben ohne Schale vergoren und weisen deutliche Restsüße auf. Diese Weine werden als White Zinfandel angeboten, obgleich sie eine blaßrosa Farbe aufweisen. Dieser White Zinfandel ist als gekühlt getrunkener Sommerwein in den USA sehr beliebt, aber nicht Thema dieser Webseite.

Die Tatsache, das sie sehr ungleichmäßig reift, macht die Zinfandel zu einer Herausforderung für anspruchsvolle Winzer. Es gibt zum Teil vollreife und unreife grüne Beeren an den Trauben, was die Lese erschwert. Sie gehört zu den ertragreicheren und robusteren Sorten.

Hauptanbaugebiete sind Amador (Sierra Foothills), Dry Creek Valley, Alexander Valley, Paso Robles, Sonoma Valley, Lodi und Napa Valley. Zumeist wird die Zinfandel mit etwas Petit Sirah und in seltenen Fällen Carignan (z.B. Ridge Geyserville) verschnitten.

Charakteristisch für Duft und Geschmack guter Zinfandel-Weine sind Gewürznoten (Nelken, Zimt, schwarzer Pfeffer, Minze) und beerig-süße Frucht-Aromen (Himbeeren, Brombeeren, Schwarz- kirschen). Wie bereits erwähnt, führt der hohe Zuckergehalt bei durchgegorenen Weinen zu einem recht hohen Alkoholgehalt von 13,5 - 16 % und in einigen Fällen sogar noch mehr.

Das jeweilige Anbaugebiet hat einen großen Einfluß auf den Charakter des Weins. Zinfandel aus dem Bereich Paso Robles z.B. weisen eine besonders süße, beerige Frucht auf (z.B. Rosenblum Richard Sauret Vineyard). Dry Creek Valley Zin´s werden hingegen von schwarzen Früchten dominiert und Amador Zin´s erinnern an Rosinen und Pflaumenkompott. Bei den Sonoma- und Napa Valley-Weinen sind rote Früchte im Vordergrund.

Man sollte Zinfandel-Weine jung geniessen. Nach ca. 5 bis 8 Jahren sollten sie getrunken werden. Einige Ausnahmen belohnen eine gewisse Wartezeit (z.B. Ridge Geyserville) aber generell muß man mit ihnen nicht sehr viel Geduld haben.

Die Wurzeln der Rebsorte Zinfandel

Nach den bislang vorliegenden Ergebnissen der Untersuchungen, die zu diesem Thema durchgeführt wurden, stammt die Zinfandel ursprünglich aus Kroatien. Sie hat von dort aus den Weg nach Apulien in Süditalien und entweder von dort aus oder direkt auch in die USA gefunden. Sie stammt nicht gebürtig aus Apulien. In Kroatien existiert eine genetisch identische Rebsorte names Crljenak Kastelanski. Aus ihr und der Sorte Dobricic ging die Sorte Plavac Mali hervor, die zeitweise für ein Ahne der Zinfandel gehalten wurde (s.u.).

Der Name Zinfandel ist eindeutig ein durch die amerikanischen Weine geprägter, und bekannt gemachter Begriff. Dies und die Tatsache, daß kalifornische Zinfandel einen sehr eigenständigen Charakter und Stil haben, der mit Primitivo-Weinen aus Apulien nicht verwechselbar ist, läßt die kalifornischen Winzer mit Recht fordern, daß Primitivos nicht unter dem Namen Zinfandel vermarktet werden sollten. Die italienischen Produzenten möchten auf diese Weise an den “Lorbeeren” partizipieren, die der kalifornische Zinfandel im Lauf der Zeit mühsam verdient hat.

Desweiteren werden hierdurch die Verbraucher irritiert, die mit Zinfandel ganz bestimmte Geschmackserlebnisse und Kalifornien verbinden.

Wir unterstützen diese Haltung der amerikanischen Winzer, die sehr effektiv und vehement durch ZAP (Zinfandel Associates and Producers) vertreten wird, ausdrücklich !        Allerdings sei darauf hingewiesen, daß dies umgekehrt ebenfalls für die amerikanischen Weingüter gelten muß, von denen nach wie vor einige “Chablis” und “Burgundy” auf ihre Etiketten drucken !

Die Geschichte des Zinfandel

Quelle: Zinfandel Advocates & Producers

1822-1829

Der Rebschulenbetreiber George Gibbs aus Long Island importiert aus Wien verschiedene Rebsorten, unter anderem Zinfandel.

1832

Der Rebschulenbetreiber Samuel Perkins aus Boston offeriert eine Rebe namens ´Zinfindal´.

1835-1845

Die `Zinfindal´ wird eine populäre Tafeltraube im Nordosten der Vereinigten Staaten, wo sie in Gewächshäusern angebaut wird.

1846

Der Weinbau-Experte J.F. Allen aus Neu-England beschreibt die Zinfandel in seinem Buch, welches Amerika´s erstes Lehrbuch für Weinbau war.

1850er

Nach dem Goldrausch in Kalifornien wurde die Zinfandel in großem Stil angebaut, da sie kräftig wuchs als kopfbeschnittene Rebe.

1852-1857

Frederick Macondray aus Massachusetts brachte zusammen mit kalifornischen Rebschulenbetreibern die Zinfandel nach Kalifornien.

1859

Die Zinfandel wird in Sonoma und Napa eingeführt von J.W. Osborne und William Boggs.

1859-1863

Im Sonoma Valley, Santa Clara Valley und in den Sierra Foothills stellt man fest, daß die Zinfandel eine excellente Rebsorte für rote Tafelweine ist.

1865-1870

Irgendwie einigte man sich darauf, den Namen Zinfindal zu ändern in Zinfandel.

1870-1878

Zinfandel wird sehr populär in Nord-Kalifornien.

1878-1889

Die Zinfandel ist die meistangebaute Rebsorte während Kaliforniens erstem Weinbau-Boom.

1883-1885

Arpad Haraszthy´s Anspruch darauf, daß sein Vater Agoston die Zinfandel nach Kalifornien brachte wird von den meisten nach hitzigen Debatten akzeptiert. Dieser Anspruch hielt sich bis in die 1970er, als erste gründliche Forschungen zu diesem Thema angestellt wurden.

1890-1900

Der größte Teil der nordkalifornischen Weinfelder wird durch die Phylloxera ( die Reblaus) zerstört, obgleich einige Zinfandel-Rebstöcke überleben, da sie auf resistente Wurzelstöcke gepfropft wurden.

1900-1912

Kaliforniens Weinfelder werden neu bestockt. Die Zinfandel ist die führende Rebsorte bei der Produktion von rotem Tafelwein. Einige Weingüter produzieren einen Zinfandel-Sortenwein.

1919-1933

Während der Prohibition ist Wein als Getränk illegal. Die Zinfandel ist sehr populär unter den Heim-Winzern; sie ist unter den Top 5 der Rebsorten.

1933-1960

Die Zinfandel bleibt weiterhin eine wichtige Rebsorte in der Produktion von rotem Tafelwein. Einige Weingüter erarbeiten sich einen guten Ruf durch hervorragende Zinfandel-Rebsortenweine.

1960-1975

Eine kräftige, gut strukturierte Art von Zinfandel wird populär.

1967

Während eines Aufenthaltes in Bari in Süd-Italien probiert Prof. Austin Goheen von der UC Davis einen Wein und bittet darum die Rebstöcke sehen zu dürfen, die diesen Wein hervorgebracht haben. Er identifiziert sie (fälschlicherweise) als Zinfandel. Vor Ort in Apulien heißt sie Primitivo di Gioia.

1972

Bob Trinchero vom Weingut Sutter Home im Napa Valley saugte freilaufenden Saft von Zinfandel-Trauben aus Amador County ab, und vinifizierte diesen als `weißen´ Wein (ohne Schale). Dies war die Geburtsstunde des `white Zinfandel´.

1976

Zinfandel-bezogene Forschungen, bekanntgegeben durch die amerikanische Gesellschaft für Önologie und Weinbau, ergeben folgendes:

 

Wade Wolfe zeigt auf, daß die Primitivo wahrscheinlich identisch ist mit der Zinfandel.

 

Charles Sullivan zeigt den Weg der Zinfandel von Neu-England nach Kalifornien nach.

1978-1985

Der `Blockbuster´-Typ wird unpopulär und viele Weingüter wenden bei der Produktion von Zinfandel-Weinen Methoden an, die bei `feinen Weinen´ üblich sind. Des weiteren wird der `white Zinfandel´ sehr populär: Sutter Home´s Produktion stieg z.B. von 225 Kisten im Jahre 1972 auf 25000 im Jahre 1981. (Im Jahr 1998 waren es sogar 5 Millionen Kisten!)

1983

Leon Adams könnte der erste gewesen sein, der darauf hinwies, daß die Rebsorte Plavac Mali aus Kroatien identisch sein könnte mit der Zinfandel.

1985-1998

Sortenreine Zinfandel-Weine erleben neuerlich eine hohe Beliebtheit und es gibt eine Vielzahl von Weinen aller Preislagen.

1989

Prof. James Wolpert von der UC Davis, der UC-Weinbauer Emeritus Amand Kasimatis, der Napa County Landwirtschaftsberater Ed Weber und die Sonoma County Landwirtschaftsberaterin Rhonda Smith suchen nach Zinfandel- Weinfeldern, die vor 1930 angepflanzt wurden.

1990-1998

Die Zinfandel-Anbaufläche in Kalifornien stieg von ca. 13600 Hektar auf ca. 20000 Hektar. Dieses macht sie neuerlich zur roten Rebsorte Nummer 1.

1991

`Angels´ visits´ von David Darlington ist das erste Buch über die Zinfandel.

1991-1992

Die nicht-kommerzielle Oranisation Zinfandel Associates and Producers wird gegründet, um das Wissen über Amerika´s `Weinerbschaft´, die Zinfandel mit ihrem einzigartigem Platz in Amerikas Kultur und Geschichte zu vergrössern.

1994

Mit Methoden der DNA-Analyse stellt Prof. Carole Meredith von der UC Davis fest, daß Zinfandel und Primitivo di Gioia ein und dieselbe Rebsorte sind.

1995

James Wolpert beginnt die von ihm gesammelten Rebstöcke auf dem `Zinfandel Heritage Vineyard´ auf dem Experimentalfeld der UC Davis in Oakville; Napa Valley.

 

Eine wirklich weiße (Albino) Zinfandel wird im San Joaquin County gefunden.

1998

Prof. Meredith findet heraus, daß die Zinfandel und die Plavac Mali nicht identisch sind, aber eng miteinander verwandt.

1999

Die Zinfandel wird in Kalifornien, Arizona, New Mexico, Oregon und Texas angebaut. In den letzten Jahren ist sie auch in Südafrika und Australien angebaut worden.

2000

Laut Aussage von Prof. Carole Meredith deuten die Untersuchungen darauf hin, daß die Zinfandel ihre Wurzeln in Kroatien hat. Sie stammt nicht ursprünglich aus Italien.

2002

Prof. Carole Meredith und ihre kroatischen Kollegen Ivan Pejic und Edi Maletic gelingt der Nachweis, daß die Zinfandel genetisch identisch ist mit der Sorte Crljenak. Die Zinfandel stammt also aus Kroatien. Womöglich ist ihre Urheimat aber auch Albanien oder Griechenland. Die Sorte Plavac Mali ist eine Kreuzung aus Crljenak (alias Zinfandel) und Dobricic.